Und so beginnt es

So hatte er sich das damals nicht vorgestellt. Ein schwerer Seufzer entfährt seiner Brust, als er einen nachdenklichen Blick auf das vergilbte Foto seiner Ehefrau und seiner 2 Kinder wirft. Die Kinder sind inzwischen beide aus dem Haus und studieren selber. Zwischen ihm und seiner Frau herrscht inzwischen dieses angenehme Schweigen wenn man sich blind versteht und nichts mehr zu sagen hat. Manchmal streiten sie sich, ohne dass er es merkt. Er könnte also mit sich und seiner Welt zufrieden sein. Als er vor 35 Jahren seinen Doktor in Mathematik und Physik gemacht hatte erschien alles so klar. Heiraten, Kinder kriegen, die Frau kümmert sich um den Haushalt und er verbringt den größten Teil des Lebens mit einem entspannten und sicheren Job in irgendeiner Behörde im gehobenen Dienst. Ein Traum. Er wäre doch niemals auf die Idee gekommen, dass das irgendwann Stress bedeuten könnte. Er hasst Stress. Stress ist schlecht für ihn. Er spürt schon jetzt die mitleidigen Blicke seiner Sekretärin. Immer wenn sie glaubt er merkt es nicht, lästert sie über seine Schwitzflecken, die er immer dann bekommt wenn er unter Druck steht. Und die letzten Tage stand er wirklich immer unter Druck.

Während er da sitzt dringt langsam der Alarmton immer weiter in sein Bewusstsein. Ja, er weiß es doch. Aber er kann auch nichts tun. Dieser Schmidt von der Sicherheit wirkt immer so souverän in solchen Situationen. Jahaaa, der hat nie Schwitzflecken. Der hat Bart. Und immer das neuste Handy. Und so eine moderne Brille, auch wenn er gar keine Brille braucht. Der hat Informatik und Unternehmenskommunikation studiert. Der feine Herr. Über den lästern die Sekretärinnen natürlich nie.

Er schaut aus seiner Bürotür und sieht Schmidt hektisch telefonieren. Scheinbar ist auch Mr. IT mit seiner Weisheit am Ende. Gott was ist er froh, dass Schmidt seit einem Jahr für die Sicherheit zuständig ist. Er spürt förmlich wie sein Stresslevel bei dem Gedanken um mehrere Stufen sinkt. Ein wenig lächelt er sogar. Und er lächelt fast nie bei der Arbeit.

Minuten später stehen er und Schmidt bei der großen Chefin vor der Tür. Ihr Amtsleiter wird auch da sein. Und der Präsident. Schmidt redet unentwegt auf ihn ein. Will sowas wie eine Strategie. Schadenbegrenzung. Irgendwie sowas. Es lächelt. Schmidt wird diesen Tag nicht überleben, soviel war sicher. Er hatte alles in die Wege geleitet, dass Schmidt komplett die Verantwortung trägt. Er würde dann den Neuaufbau übernehmen. Und diesmal ohne Experimente. Er würde es machen wie früher. Die Tür zum Besprechungsraum öffnet sich und der Amtsleiter bittet sie herein. Auf dem riesigen Tisch steht diesmal kein Kaffee, keine Kekse. Es ist ernst. Sehr ernst.

„Und? Ist es noch zu retten?“

Schmidt schaut mich an. Dann schaut er die Chefin an. „Sie brechen überall durch. Es gibt kaum noch einen Knoten der nicht infiziert ist. Wenn wir einen rekonstruieren werden zwei weitere befallen. Als wir damals die Amerikaner rein gelassen haben…“

„Hören sie mit dem Quatsch auf. Das sind doch jetzt nicht die Amerikaner. Die haben normale Zugänge, wie England, Kanada und Frankreich. Wer ist es gewesen? Die Koreaner? Chinesen? Saudis? Wer?“ herrscht die Chefin Schmidt an. Ja, das fühlt sich gut an. Wo ist sie jetzt hin, die Überheblichkeit dieses IT-Schnösels.

„Wir wissen es nicht. Wir haben keine Ahnung. Aber wir kriegen das hin.“ Stammelt Schmidt.

Er atmet tief ein und aus. Dann öffnet er den Mund und sagt es: „Quatsch.“ Es herrscht auf einmal komplette Stille. „Das ist Blödsinn Schmidt. Und das wissen sie auch. Das System wird unter gehen und das war uns schon immer klar. Wir werden es nicht halten können.“

Die Spannung im Raum ist fast unerträglich.

„Es gibt nur noch einen Schritt den wir machen können.“

Innerlich lächelnd lehnt er sich zurück und lässt für eine Augenblicke die Spannung im Raum.

„Wir müssen das Bundestagsnetz abstoßen. Das Netz ist tot. Lang lebe das Netz“

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